Weltäcker

Die Bewegung Weltäcker macht auf eindrückliche und verständliche Art deutlich, wie die Lebensmittelproduktion funktioniert, und wo Gefahren und Chancen für die Welternährung liegen.

Das menschliche Vorstellungsvermögen ist beschränkt. Hören wir in den Nachrichten Zahlen wie von einer (wachsenden) Weltbevölkerung von 7.5 Milliarden Menschen, von denen 800 Millionen akut Hunger leiden und eine weitere Milliarde unmittelbar von Hunger bedroht sind, hinterlassen solche Meldungen nur selten einen bleibenden Eindruck.

Die Bewegung Weltacker, ein globales Projekt der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, hat zum Ziel,  uns die Dimensionen der ökologischen, politischen und ökonomischen Verhältnisse in der Landwirtschaft begreiflich zu machen. Ausgehend von den Daten des Weltagrarberichtes 2008.

Zur Einführung der Veranstaltungsreihe «Gesunde und gerechte Ernährung für alle» veranschaulichen Mitarbeiter von Weltacker Schweiz eindrücklich, wieviel Acker und Nahrungsmittel die Menschheit konkret hat und braucht.. Als Symbol für den Erdball benutzten sie einen Apfel. Zieht man Wasserflächen, Wüsten, Hochgebirge und Eis und anderes unbebaubares Land ab. Bleibt ein 32stel des Apfels. Und davon ist lediglich die Schale der Teil der Erdoberfläche, der die Welt ernährt.

2000qm Pro Kopf

Wären Land und Erträge gerecht unter der Menschheit verteilt, blieben pro Kopf 2000 qm Acker. Deshalb wird auf den jeweils 2000 qm grossen Flächen der Weltäcker verständlich gemacht, wie man diese Fläche aktuell verteilt, vor der fortlaufenden Zerstörung schützt, vermehrt und optimal nutzt. Der erste wurde in Berlin 2015 errichtet. In der Schweiz wurde der erste Weltacker 2017 von der Organisation Urban Agricultur Basel initiiert. Zur Zeit gibt es in der Schweiz Weltäcker in Bern, Attiswil, Nuglar. Weitere Projekte sind in Arbeit. Weltweit gibt es zur Zeit 11 Weltackerprojekte die mit der Organisation Weltacker Schweiz eng vernetzt sind.

Einige davon bauen die 50 häufigsten Ackerkulturen massstabsgetreu an. Andere dienen als Experimentierfläche, wie wir Ackerbau, Weidewirtschaft und Waldflächen ökologischer und sozialer gestalten können.

Hunger ist Mord

Die gute Nachricht: Die Ackerfläche reicht nicht nur für die aktuell 7,5 Milliarden, sondern für 10 bis 12 Milliarden Menschen.

Die schlechte: Trotzdem leben 800 000 000 in Hunger. Eine weitere Milliarde ist von Hunger und extremer Armut bedroht. Entsprechend wird jedes der täglich 25 Hungeropfer auf der Welt faktisch ermordet  – durch die Profitgier der Konzerne, aus machtpolitischem Kalkül der Nationen und einer ineffektiven Agrarökonomie.

Und die Aussichten sind ohne einen umfassenden Paradigmenwechsel düster. Gesunder Ackerboden ist nicht einfach Erde. Damit die Erde Fruchtbar ist und bleibt braucht es eine grosse biologische Vielfalt im Boden. Genaugenommen auf 2000qm bis zu 20 Billiarden Organismen. Doch neben der fortlaufenden Schrumpfung der Weltweiten Ackerfläche durch Überbauung wird gesunde Erde durch die industrielle Landwirtschaft fortlaufend zerstört. Die Weltweite «Erkrankung» der Böden verursacht neben Hunger und Krankheit Kosten in Höhe von 10.6 Trillionen US-Dollar. 17 Prozent des weltweiten Bruttoinlandproduktes.

Lebensmittel als Viehfutter und Treibstoff

Die Ursachen sind zum Teil schlicht absurd. Zum Beispiel durch industrielle Produktion von Getreide als Kraftfutter für die industrielle Fleischproduktion oder «Bio»-Sprit.

Die Industrielle Landwirtschaft hat in Europa 35 Prozent der an sich ausgezeichneten Ackerflächen verdichtet. 17 Prozent sind extrem stark beschädigt oder gar nicht mehr kultivierbar. Durch die Intensive Nutzung sinkt die natürliche Fruchtbarkeit der Böden, weil Mineraldüngung und Kalk die Erträge zwar vorläufig stabil halten, letztlich aber zur Zerstörung der Ackerfläche führen.

Hoffnung und Erfolge

Doch neben all diesen Problemen macht das Projekt Weltacker auch Hoffnung, weil konkret geforscht wird, wie wir den Anteil fruchtbarer Böden wieder Vergrössern und Alternativen zu irrwitzigen intensiven Landwirtschaft, dem Mobilitätswahn und der ungerechten Verteilung der Ressourcen entwickeln. Das Umdenken in der Landwirtschaft steht erst ganz am Anfang. Und dennoch ist es bereits gelungen, bei 10 Prozent des weltweiten Ackerlandes die Fruchtbarkeit der Böden zu verbessern.

Weiterführender Link:  www.2000m2.eu/ch/

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